Wie man (Br)an(d)stiftet
(von Europenner)
Beispiel: Jürgen Rinck, Asphaltbibliothequear der ersten Stunde
"Lieber Brandstifter,
die Idee mit den Fundzetteln und die ungefähre Vorstellung einer Ausstellung fasziniert mich. Zufällig hatte ich beim Spaziergang den Blick gesenkt und entdeckte einen Zettel: 'Bitte beachten Sie künftig, dass Sie auf einem Privatparkplatz stehen, für den wir monatlich 80 DM zahlen' - Unterschrift, geschrieben auf die Rückseite einer Visitenkarte der betroffenen Anwaltskanzlei. Das Ding war schon recht platt gefahren, die Unebenheiten des Betons sind eingeprägt, die Ecken geknickt; es ist unklar, wie lange diese Nachricht schon auf dem Boden lag, und ebenso unklar, ob sie vorher jemals beachtet wurde. Viele Fragen: War der Schreiber ärgerlich, gar wütend? Wie lange hat er gebraucht, um das Unrecht, das ihm widerfahren ist zu vergessen? Hat es seinen Tag maßgeblich beeinflusst? Wie verhält es sich mit dem unbekannten Täter/der Täterin? Es liegt auf der Hand, dass sich hinter solchen Winzigkeiten, die normalerweise nicht von Belang für die Allgemeinheit sind, ganz filigrane Mechanismen menschlichen Zusammenlebens verbergen.
Ähnlich verhält es sich auch im Allgemeinfall der menschlichen Kommunikation: der eine teilt mit, der andere hört zu. Und mag auch der Zuhörer im Moment noch so unaufmerksam sein, oder von der Sache an sich nichts verstehen, weil er eben nicht so sehr damit beschäftigt ist wie der Stifter (eines Gedankens) - etwas bleibt immer. So sind es meist winzige Impulse, die uns führen.
Du hättest mich heute morgen sehen sollen, wie ich nach dem Zettelfund durch die Straßen gelaufen bin und den Boden abgesucht habe, nach weiteren solcher Botschaften. Prompt wurde ich nur wenige 100 Meter weiter, nämlich vor Haus Nr. 30, Walpodenstraße (Mainz), fündig. Ein sehr fragwürdig geparkter Golf fiel mir auf. Schräg stand er in einer nicht legalen Parklücke. Unter dem Scheibenwischer ein Zettel, handschriftlich, mit den Worten: 'Sie haben mich zugeparkt und angestoßen!', sonst nichts. Eine ganz klare Anklage, die jedoch - so vermute ich aus Schriftbild und unterschwelligem Ton - ohne Folgen bleiben wird. Hier hat sich ein Mensch seinen Frust von der Seele geschrieben. Es ist offensichtlich kein materieller Schaden entstanden.
In diesem Fall bin ich übrigens in einen moralischen Konflikt geraten: Sollte ich die Nachricht im Dienste der Kunst entfernen, noch bevor sie ihren Empfänger/Empfängerin erreicht? Wenn ja, welchen Schaden würde ich damit anrichten; wäre es womöglich sogar eine gute Tat, denn schließlich ist für den Absender der Akt abgeschlossen, sobald er den Zettel angeheftet hat und der Empfänger wird durch das Nichterreichen der Botschaft nicht von unnötigen Schuldgefühlen geplagt? Oder wäre es das Beste, die Botschaft ihren vorbestimmten Weg gehen zu lassen, sprich: mich nicht einzumischen? Es gibt noch einen dritten Weg: Ich hefte eine zweite Botschaft unter den anderen Scheibenwischer, mit der Bitte, doch die erste Botschaft an Dich zu senden. Womöglich bitte ich ihn/sie noch um einen kleinen Kommentar zu diesem brisanten Thema. Zunächst habe ich mich für Nichteinmischung entschieden. Die Ersatzzettelvariante ist jedoch für mich als Forscher äußerst reizvoll. Nun, vielleicht steht der schräg geparkte Golf nachher noch da. Ein frankierter Rückumschlag ist dann das geringste Problem ..."
Jürgen Rinck, Mainz im Oktober 1998 Rinck führte die Ersatzzettelvariante durch, erhielt jedoch nie eine Antwort. Falls auch Sie, meine Damen und Herren einmal in einen solchen Gewissenskonflikt geraten, so beachten Sie bitte §6 Präsenzbestand der Benutzerornung
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